Ausstellung "Himmlisch!" im Winterpalais des Prinzen Eugen

06.02.2017 15:28

Dem Barockbildhauer Johann Georg Pinsel war die  Ausstellung "Himmlisch!" im Winterpalais des Prinzen Eugen gewidmet, einem wahren Rätsel der Kunstgeschichte. Nach wie vor ist wenig über das Leben dieses Meisters bekannt. Über sein Leben, seine Herkunft und seine Ausbildung ist wenig überliefert. Seine Vornamen sind erst vor wenigen Jahren identifiziert worden, Geburtsdatum und ort liegen gänzlich im Dunkeln. Pinsel war in den 1750erJahren in Ostgalizien, in den Gebieten der heutigen Westukraine rund um Lemberg tätig. Zu seinen Lebzeiten gehörte dieses Gebiet zu Polen, danach wurde es in das Habsburgerreich eingegliedert, nach 1939 kam es zur Sowjetunion und 1991 wurde es Teil der heutigen Ukraine.

Im Gegensatz zu seiner Biografie ist Pinsels OEuvre besser bekannt. Durch Quellen belegt ist seine Mitarbeit an der Ausstattung dreier Kirchen in Lemberg und Monastyrys'ka. Nahe liegt, dass er mit dem Architekten Bernard Meretyn kooperierte. So sind die Zahlungen für die Steinfiguren an der Fassade der St. GeorgKathedrale in Lemberg (1759/61) sowie für die Skulpturen in der dortigen Trinitarierkirche (1756/57) belegt. 1761 wurde Johann Georg Pinsel für Altäre in der Pfarrkirche in Monastyrys'ka (ca. 100 km östlich von Lemberg) bezahlt.

Viele Werke konnten Pinsel allerdings nur auf Basis von Stilanalysen zugeschrieben werden. Erschwerend kommt
dabei hinzu, dass so manche Aufstellungsorte sowie genaue Figurenkompositionen nicht rekonstruierbar sind, weil sie im
Zuge einer wechselvollen Geschichte (der Säkularisierung) verloren gingen respektive – vor allem in der Zeit der
Sowjetunion – zerstört wurden.
 
Hilfreich für die Forschung ist hingegen, dass der Bildhauer Pinsel einen durchaus eigenwilligen, expressiven Stil prägte, der vorbildlich wurde für eine ganze Schule Lemberger Skulptur. Diese entwickelte sich etwa von 1750 bis in die 1780er Jahre. Die enorme Expressivität seiner Figuren beruht nicht allein auf deren Mimik und Gestik, seine Figuren ufern aus, vibrieren vor Intensität, sind mitunter heftig verdreht und verzerrt. Etwa der ihm zugeschriebene Samson mit Löwe, eingefangen in jenem Augenblick, da er dem Löwen mit den bloßen Händen das Maul aufspreizt. Pinsels Samson bebt vor Energie, die angespannten Muskeln scheinen die Grenzen des Körpers sprengen zu wollen. Ebenso entscheidend ist der Umgang des Meisters mit Kleidung: Sie umflattert ihre Träger oft gar wild, lässt sie noch einmal voluminöser, ja unruhig "flackernd" erscheinen.
So werden dem Künstler weitere Werke stilistisch zugeschrieben werden. Hierzu gehören Pinsels Steinskulpturen mit den mythologischen Themen und Allegorien am Rathaus in Buczacz (1750/51), die Skulpturenausstattung der Kirche in Horodenka (1752/55) (ca. 200 km südöstlich von Lemberg) und die Einrichtung des Gotteshauses in Hodowica (10 km von Lemberg). Letztere (von 1757/58) gilt als eindrucksvollste Figurenensemble des Meisters und führt seinen unverwechselbaren Stil am besten vor Augen.
 
Pinsels Körper sind in seiner Kunst keine Nachbildungen eines ganzheitlich schönen Menschen. Vielmehr sind sie Signalgeber für Seelenzustände – und diese Signale mussten wohl auch von der Fassade oder dem Hochaltar hinab auf die Menschen gewirkt haben.
 
Ein kleines Video zu der Ausstellung finden Sie auch auf YouTube
 
 
 
Im Gegensatz zu seiner Biografie ist Pinsels OEuvre besser bekannt. Durch Quellen belegt ist seine Mitarbeit an der Ausstattung dreier Kirchen in Lemberg und Monastyrys'ka. Nahe liegt, dass er mit dem Architekten Bernard Meretyn kooperierte. So sind die Zahlungen für die Steinfiguren an der Fassade der St. GeorgKathedrale in Lemberg (1759/61) sowie für die Skulpturen in der dortigen Trinitarierkirche (1756/57) belegt. 1761 wurde Johann Georg Pinsel für Altäre in der Pfarrkirche in Monastyrys'ka (ca. 100 km östlich von Lemberg) bezah